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Betriebliche Bestandsaufnahme zum BEM: Erste Ergebnisse des Projektes RE-BEM im Rahmen des Fachtags in Berlin vorgestellt

„Nichts über uns ohne uns“ - Die Beschäftigten stehen zentral im Mittelpunkt des Betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM) und müssen künftig weiter in das Zentrum der Aufmerksamkeit in den BEM-Verfahren gerückt werden. Diese und weitere wichtige Aussagen aus dem Projekt RE-BEM wurden am Montag als Ergebnis einer empirischen Studie zur Umsetzung des BEM im Rahmen eines Fachtags präsentiert. Gegenstand der Studie waren zwei Bausteine: eine Online-Befragung sowie eine Sekundärstudie, die die Auswertung bereits durchgeführter Projekte zum Gegenstand hatte.

Im Rahmen der Online-Befragung wurden 2150 Antworten mit 58 Fragen ausgewertet. An der Befragung nahmen zu einem Großteil betriebliche Interessenvertretungen wie Betriebs-/Personalräte oder auch Schwerbehindertenvertretungen teil. Aber auch betriebliche Praktiker, wie beispielsweise Mitglieder von BEM- bzw. Integrationsteams, waren stark vertreten. Im Laufe des Fachtages wurde der Umsetzungsstand des BEM in unterschiedlichen Schwerpunkten vorgestellt. Die Leitfragen waren hierbei: Welche Faktoren sind gut und fördernd für das BEM? Welche Faktoren sind hemmend und eher ungünstig für die Umsetzung des BEM?

Vertrauenskultur steht im Vordergrund

Dreh- und Angelpunkt des BEM-Verfahrens sind die BEM Berechtigten. Ein entscheidender Faktor für das Gelingen dieses Verfahrens ist das Vertrauen der Beschäftigten in die Zielrichtung des Verfahrens. Ein Großteil der Beschäftigten steht dem BEM relativ kritisch gegenüber. Dies ist in 37,9% der Betriebe der Fall, die ein BEM praktizieren. Ein Indiz dafür, dass eine Stärkung der Vertrauenskultur für ein erfolgreiches BEM in den Betrieben weiter eine hohe Bedeutung zukommt und vorangetrieben werden sollte.

Vertrauensfördernd kann für die Beschäftigten auch die Frage sein, welche Intentionen der Arbeitgeber mit dem BEM-Prozess verfolgt. Stehen die Interessen der BEM-Berechtigten im Vordergrund oder wieweit werden Sie berücksichtigt? Auch hier gibt die Befragung Antworten auf die verfolgten Ziele: An erster und zweiter Stelle standen hier mit deutlichem Abstand zu anderen Nennungen der Einfluss auf die Fehlzeitenentwicklung (63,6%) und die Umsetzung gesetzlicher Vorschriften (60,0%). Weichere Ziele, wie etwa die Prävention (50,8%), der Erhalt von Arbeitsplätzen (47,9%), ein besseres angstfreies Betriebsklima (25,5%) lagen auf den hinteren Plätzen, obwohl Mehrfachnennungen möglich waren.

Datenschutz im BEM ist ausbaufähig

Als hemmender Faktor wurde u.a. ein unzureichender betrieblicher Datenschutz genannt. So regeln nur 43,8% die Vernichtung der BEM-Akte und gerade einmal die Hälfte treffen Regelungen zur Verschwiegenheitsverpflichtung der BEM-Verantwortlichen und auch Regelungen zur Schweigepflichtsentbindung. Hier gibt es einen deutlichen Nachholbedarf in den Betrieben.

Gute Strukturen und klare Zuständigkeiten stärken das BEM

Das Projektteam betonte bei der Präsentation auch, dass den Personen, die mit der Umsetzung des BEM in den Betrieben betraut sind, eine hohe Bedeutung zukommt: So ist die Existenz eines betrieblichen „Kümmerers“, eines „Anschiebers“ für ein gelingendes BEM wesentlich. Diese sind jedoch in den Betrieben eher zufällig anzutreffen. Wo es keine „Kümmerer“ gibt, läuft ein Anspruch von Beschäftigten auf ein ordnungsgemäßes BEM oftmals ins Leere.

Aber auch strukturelle Faktoren, die den BEM Prozess formen und begünstigen können wurden thematisiert: Ausdrücklich wurde betont, dass ein funktionierendes Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) für die Einführung eines BEM deutlich positiv ist: das BEM ist in 73% der Betriebe, die über ein BGM verfügen, eingeführt. Ein bestehendes BGM erleichtert die Sensibilisierung für das Thema, der Präventionsgedanke sorgt gleichzeitig für eine gute strukturelle Verankerung des BEM im Betrieb.

Unterstützung bietet hier auch eine Betriebs- oder Dienstvereinbarung. Sie stützt die BEM-Struktur. Dies gilt insbesondere dann, wenn darin Essentials, wie beschäftigtengerechte Zielsetzung, Zuständigkeitsregelungen und Ressourcen darin einen Platz finden.

Externe Unterstützung und Vernetzung sind hilfreich, Mitbestimmung muss gestärkt werden

In einer abschließenden Podiumsdiskussion mit Experten aus Wissenschaft, betrieblicher Praxis und der Politik wurde noch einmal die über die Rolle externer Unterstützer diskutiert. Externe Unterstützung, z.B. Rentenversicherung, Unfallversicherung, Krankenkassen, etc.)  wird von den Betrieben nur in einem geringen Maße abgefordert, obwohl die externe Expertise für einen erfolgreiches BEM-Verfahren wesentlich ist. Hier gibt es einen deutlicheren Vernetzungsbedarf, so der einhellige Tenor aller Beteiligter. Aber auch die rechtliche Verankerung des BEM im SGB IX wurde intensiv und auch konträr diskutiert. Denn nach den Ergebnissen der Studien bietet es sich an, die BEM-Struktur in den Arbeitsschutzregularien einzureihen. Die hierauf bezogene betriebliche Mitbestimmung könnte dann ihre strukturstützende Rolle besser ausfüllen als bisher.

Haben wir Ihr Interesse an den weiteren Ergebnissen der Befragung geweckt? Laden Sie sich den Bericht mit den Projektergebnissen auf der Website des Projektes gerne runter: http://www.re-bem.de/wp-content/uploads/2017/02/Dokumentation_Studie_RE-BEM.pdf

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Sind auch Sie gerade dabei ein BEM einzuführen oder haben Fragen und Unterstützungsbedarf im laufenden Umsetzungsprozess? Unsere Seminare zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement greifen die wichtigsten Handlungsfelder für betriebliche Interessenvertretungen auf und vermitteln Ihnen das notwendige Praxiswissen, um das Betriebliche Eingliederungsmanagement im Sinne der Beschäftigten zu gestalten.

Die nächsten Termine:

Betriebliches Eingliederungsmanagement und Gesundheitsförderung in der Praxis

Ein ganzheitliches Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) sollte auch eine nachhaltige und systematische betriebliche Gesundheitsförderung beinhalten. Dieses Seminar gibt einen Einblick in das Zusammenwirken von betrieblicher Gesundheitsförderung und Betrieblichem Eingliederungsmanagement in der Praxis.

Inhalte:

  • Strukturelle Voraussetzungen und wesentliche Bausteine im Betrieblichen Eingliederungsmanagement
  • Entwicklung von Maßnahmen, die dem Entstehen erneuter Arbeitsunfähigkeit nach einer Langzeiterkrankung vorbeugen
  • Entstehungsursachen arbeitsbedingter Erkrankungen
  • Grundlagen der betrieblichen Gesundheitsförderung
  • Arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse und ergonomische Prinzipien
  • Handlungsmöglichkeiten der betrieblichen Interessenvertretung

Veranstaltungsdaten:

Termin: 3. - 7.04.2017
Zur Online-Anmeldung: https://www.betriebsratsqualifizierung.de/seminar/317473067
Veranstaltungsort: DGB Tagungszentrum Hattingen

 

Betriebliches Eingliederungsmanagement mit System

Durch eine sich ständig verändernde Arbeitswelt mit immer höheren Anforderungen nehmen arbeitsbedingte Erkrankungen zu. Prävention ist ein wichtiger Faktor, um die Arbeitsfähigkeit vor allem für die älteren Beschäftigten im Betrieb zu erhalten. Das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) nach dem SGB IX bietet dafür eine gute gesetzliche Grundlage. Es ist Teil eines umfassenden Gesundheitsmanagements für alle Beschäftigten und ermöglicht der betrieblichen Interessenvertretung, die Verbesserungen der Arbeitsbedingungen zu initiieren.

Inhalte:

  • Einführung in das betriebliche Eingliederungsmanagement
  • Grundlagen zur Prävention
  • Belastungen und Beanspruchungen
  • Gefährdungsbeurteilung
  • Bausteine des betrieblichen Gesundheitsmanagements
  • Arbeitsbedingte Erkrankungen
  • Entschädigung und berufliche Wiedereingliederung
  • Aufgaben von BEM-Beratern/Disability Managern
  • Handlungsmöglichkeiten für die betriebliche Interessenvertretung

Veranstaltungsdaten:

Termin: 29.05. - 02.06.2017
Zur Online-Anmeldung: https://www.betriebsratsqualifizierung.de/seminar/317473075
Veranstaltungsort: DGB Tagungszentrum Hattingen

Unsere weiteren Seminare zum Thema BEM finden sie hier: https://www.betriebsratsqualifizierung.de/seminare?rubrik=85#termine

 

Soziale Sicherung 1 (Grundlagenseminar)

Egal ob bei Einstellungen, bei der Erkrankung von Beschäftigten oder im Kündigungsfall: Grundkenntnisse der sozialen Sicherung sind heutzutage unerlässlich für eine erfolgreiche Betriebsratsarbeit. Im Seminar erhalten Sie einen Überblick über das gesamte soziale Sicherungssystem, die Leistungsansprüche der Beschäftigten und über die Rolle des Betriebsrats und seine Handlungsmöglichkeiten. Sie erfahren Wissenswertes zu den Themen Arbeitslosengeld, BEM, Reha, betriebliche Gesundheitsförderung und Rente: alles auf einen Blick.

Veranstaltungsdaten:

Termin: 15.-19.05.2017
Zur Online-Anmeldung: https://www.betriebsratsqualifizierung.de/seminar/217491801
Veranstaltungsort: DGB Bildungszentrum Besenbinderhof, Hamburg

Soziale Sicherung 2

Länger arbeiten oder im Alter weniger Geld zur Verfügung haben? Der Betriebsrat sichert zusammen mit dem Arbeitgeber die Beschäftigung für die Älteren in der Belegschaft und gestaltet die Übergänge in die Rente. Er muss aber auch an die Jüngeren denken: Sie wechseln oft von einem befristeten Arbeitsverhältnis zum nächsten und können daher oftmals keine betriebliche Altersversorgung aufbauen. Wo sind die Stellschrauben und welche Einflussmöglichkeit hat der Betriebsrat?

Veranstaltungsdaten:

Termin: 24.-28.07.2017
Zur Online-Anmeldung: https://www.betriebsratsqualifizierung.de/seminar/217491804
Veranstaltungsort: Hotel Farbinger Hof, Bernau (Chiemsee)

Über uns

Die Betriebsratsqualifizierung des DGB Bildungswerk gibt ArbeitnehmervertreterInnen - Betriebs-, Personal-, Aufsichtsräten und Schwerbehindertenvertretungen - das passende Rüstzeug an die Hand, um in der heutigen Arbeitswelt erfolgreich zu bestehen.
Erfahrene RichterInnen, FachanwältInnen und PraktikerInnen vermitteln fundierte Rechtskenntnisse im Arbeits-, Betriebsverfassungs- und Sozialrecht wie in betrieblicher Arbeitspolitik. Unsere Seminare sind praxisorientiert konzipiert und schließen stets die aktuelle Rechtsprechung mit ein. Sie üben Strategien, Ihr Wissen in der Beschäftigtenvertretung erfolgreich und effektiv einzusetzen.
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